Biologika sind moderne, biotechnologisch hergestellte Medikamente

Zusammenfassung des Vortrags über Biologika

Referentin: Dr. Claudia Burgis

Biologika sind moderne, biotechnologisch hergestellte Medikamente, die im Gegensatz zu

klassischen chemischen Präparaten aus lebendigen Proteinen wie Antikörpern bestehen.

Sie greifen gezielt in den Körper ein, indem sie entzündungshemmende Prozesse einleiten oder Rezeptoren blockieren, über die Entzündungen vermittelt werden


. Dadurch können Fehlreaktionen des Immunsystems bei Autoimmunerkrankungen oder chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte (Psoriasis), Prurigo, Akne inversa und ab dem nächsten Jahr auch bei chronischer Urtikaria verhindert werden. Einfache Erklärung des Wirkprinzips von Biologika

Bei chronisch-entzündlichen Hauterkrankungen senden bestimmte Immunzellen (z. B. T-

Helferzellen) Botenstoffe, die sogenannten Interleukine, aus.

 

Diese lösen im Körper Entzündungsreaktionen aus, die zu Juckreiz, Rötung, Schwellung und Hautverdickung führen.

• Bei der Neurodermitis spielen vor allem die Th2-Zellen eine Rolle, welche die Interleukine

IL-4, IL-5 und IL-13 aussenden. Diese Botenstoffe geben dem Körper ein Signal und

lösen damit eine Reaktion aus.

Sie fördern Entzündungen, Antikörperbildung (IgE) und damit die Freisetzung von

Histamin durch die Mastzellen, was typische allergische Symptome wie Juckreiz und

Rötung verursacht.

→ Biologika (beispielsweise Dupilumab) setzen hier gezielt am IL-4-Rezeptor an, sodass

diese Signale keine Wirkung mehr entfalten.

• Bei der Schuppenflechte (Psoriasis) sind andere Signalwege aktiv, nämlich über TNF-α,

IL-12, IL-23 und IL-17. Die Biologika, welche hier eingesetzt werden, richten sich direkt

gegen den Botenstoff – hier liegt ein maßgeblicher Unterschied zu den Präparaten für die

Neurodermitis, welche am Rezeptor ansetzen.

Je nachdem, welcher Botenstoff aktiv wird, reagiert der Körper mit Entzündungen oder

mit der Bildung von Schuppen.

→ Je nach Zielstruktur hemmen Biologika hier z. B. IL-17 oder IL-23, um die angeregten

Prozesse zu stoppen.

Ein anschauliches Bild aus dem Vortrag zur Schuppenflechte:

„Wenn in einem ruhigen Neubaugebiet plötzlich ein Hochhaus (übermäßig viele Schuppen)

gebaut wird, gibt es Streit – und Streit heißt Entzündung.“

Einsatz und Auswahl

Ein Biologikum darf erst verordnet werden, wenn andere leitliniengerechte Therapien (Cremes, Fumarsäure, MTX) getestet wurden, aber keine ausreichende Wirksamkeit zeigen. Außerdem muss eine mittelschwere Ausprägung der Erkrankung vorliegen. Hierbei ist zu beachten, dass nicht nur das Hautbild und die Lokalisation der betroffenen Stellen für die Beurteilung des Schweregrades eine Rolle spielt, sondern auch psychosoziale Faktoren.

Zur Messung dieser Faktoren gibt es verschiedene Instrumente:

• Schweregrad der Erkrankung und des Leidensdrucks, z. B. gemessen mit:

• DLQI (Dermatology Life Quality Index): Wie stark beeinflusst die Haut das Leben

und die Teilhabe am Alltag? Ein Score > 10 gilt hier als behandlungsbedürftig.

• SCORAD (Scoring of Atopic Dermatitis): Bestimmung des Schweregrades der

Hauterkrankung mithilfe der Bewertung der Größe betroffener Areale, der Intensität

der Hautveränderungen (unter Anderem Verkrustungen und nässende Stellen) und

der subjektiven Symptome Juckreiz und Schlafstörungen. Die Skala reicht bis 103,

 ab 25 (moderate Betroffenheit) besteht eine Behandlungsindikation für eine

systemische Therapie.

• PASI (Psoriasis Area and Severity Index): Wie stark sind Rötung, Schuppung und

Dicke der Herde ausgeprägt? Ab einem Score von 10 ist eine Systemtherapie

indiziert. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass sich die Faktoren

untereinander beeinflussen und gegebenenfalls ausgleichen können.

• Body Surface Area (BSA): Ab ca. 10 % befallener Körperoberfläche ist eine

Systemtherapie gerechtfertigt. Eine Handfläche entspricht ca. 1% der

Körperoberfläche.

• PHQ-9: Erfasst Depression und psychische Belastung, hierbei liegt ein größeres

Augenmerk psychologischen Faktoren wie einer medikamentösen Abhängigkeit,

sozialen Isolation und Suizidalität.

Die sorgfältige und individuelle Beurteilung der Rechtfertigung einer systemischen Therapie ist unerlässlich – bei Nichtbeachtung kann es zu Regressforderungen durch die Krankenkasse kommen.

• Begleiterkrankungen wie Rheuma, Morbus Crohn oder Herzprobleme werden bei der

Wahl des Wirkstoffs berücksichtigt.

Auch eine Schwangerschaft wirkt sich auf die Auswahl des Präparates aus, genauso wie

finanzielle Aspekte.

Welche Faktoren sprechen gegen den Einsatz von Biologika?

Auffälligkeiten in den Voruntersuchungen (bspw. Leberwerte, Cholesterinwerte)

• Aktive oder kürzlich überstandene Infektionen (z. B. Tuberkulose, Hepatitis, HIV)

• Aktive Krebserkrankung (Erkrankungen in den letzten 5 Jahren gelten hier)

• Schwere Herzinsuffizienz ab Grad 3

• Schwangerschaft (bestimmte Präparate)

• Morbus Crohn bei IL-17-Blockern (hat auch protektive Effekte auf den Darm)

• Allergie gegen den Wirkstoff selbst

⚠️ Nebenwirkungen

Beim Einsatz von Biologika können folgende Nebenwirkungen auftreten:

• Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle bei schlechtem Spritzen

• Kopfschmerzen

• Bindehautentzündung (v. a. bei Dupilumab)

• Häufigere Atemwegsinfekte durch abgeschwächte Immunabwehr

• Reaktivierung alter Infektionen (z. B. Tuberkulose)

 

• Statistisch gesehen ein leicht erhöhtes Krebsrisiko (z. B. heller Hautkrebs bei TNF-α-

Blockern); dennoch überwiegt der Nutzen bei sorgfältiger Auswahl deutlich, da die

 

Lebensqualität vieler Betroffener erheblich verbessert wird.

Kosten und Verantwortung Biologika sind sehr teuer – der Preis für die Behandlung liegt zwischen 12.000 und 20.000 € pro Jahr.

Daher muss individuell bewertet werden, in welchen Fällen ein Biologikum eingesetzt wird. Eine Therapie ist meist lebenslang notwendig, häufig ist nach 10-12 Jahren der Wechsel der Präparates notwendig.

Ein konsequentes Cremen, Basistherapie und Patientenaufklärung zu den verschiedenen

therapeutischen Maßnahmen bleiben weiterhin unerlässlich – Biologika sind keine „Smarties“, sondern eine hochwirksame Therapieoption, mit der verantwortungsbewusst umgegangen werden muss.

 Zusammenfassung Margita Heß & Amelie Weydringer

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Timmy Funds (Donnerstag, 05 Februar 2026 18:23)

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