Vitiligo

Die Vitiligo ist eigentlich keine Hauterkrankung, sondern eine Fehlleistung des Immunsystems, bei der die Melanozyten angegriffen werden und nicht mehr arbeiten können. Auslösefaktoren können unter anderem Medikamente, Mangelzustände, hormonelle oder neurologische Prozesse sein, auch Stress kann es vorantreiben.  

unter anderem Medikamente, Mangelzustände, hormonelle oder neurologische Prozesse sein, auch Stress kann es vorantreiben.  Die Verschlechterung durch Stress ist manchmal schlimmer als das bisschen Bestrahlung retten kann, da diese häufig mit weiten Autofahrten und Zeitdruck verbunden ist, die Alternative der Heimbestrahlung aber lässt sich selten durchsetzen. Es gibt verschiedene Faktoren, die das Weißwerden der Haut verursachen, unter anderem genetische, die Einnahme von Medikamenten, Hormonänderungen oder individuelle Hauptauslöser. Man hat nach wie vor nicht so richtig verstanden „was abgeht“, sondern immer nur ausschnittsweise.

Bei der Vitiligo gibt es unterschiedliche Typen. Der segmentale Typ verläuft einseitig, beispielsweise ist ein Bein betroffen oder auch nur ein Streifen am Arm, diese Sonderform ist ganz schwer behandelbar, denn das genetische Mosaik lässt sich schwer beeinflussen, auch die Bestrahlung ist schwierig.

Aus zellulärer Sicht richten sich Antikörper gegen das Enzym Tyrosinase, das für die Umwandlung von Tyrosin, welches aus Phenylalanin entsteht, zuständig ist – nach mehreren Umwandlungsprozessen wird daraus der braune Farbstoff Melanin. Die Antikörper docken an den großen Melanozyten an und nutzen chemische Substanzen, um ihn zu zerstören, denn sie glauben er gehört – ähnlich wie Krebs- und Viruszellen – nicht zum Körper. Hieraus resultiert die Theorie, dass Infekte die Vitiligo vorantreiben. Selenmangel oder das Fehlen von Vitamin D sind ebenfalls denkbare Gründe, hierbei kann es helfen, zu substituieren. Auch die Schilddrüse ist ganz wichtig bei Vitiligo, deshalb sollte man ein großes Blutbild von Patienten anfertigen und sie auf diese Faktoren und weitere Spurenelemente wie Zink oder Kupfer prüfen.

Bei Vitamin D beispielsweise ist für mich ein niedriger Normalwert oder kurz darunter schon ein Mangelzustand, normal sind eigentlich zwischen 30 und 70 Nanogamm pro ml. Wer nicht substituiert liegt meist zwischen 4,4 und 26, also am unteren Grenzbereich. Problem ist , dass der Blutspiegel relativ lang konstant ist, bei den 2000 von Vitamin D abhängigen Genen fehlt es dann im Gewebe und alle Immunprozesse funktionieren bestenfalls verlangsamt. 

Gibt es das auch bei Neurodermitis?

Ja viele Kinder haben da auch einen Mangel. Vitamin D ist bei allen diesen Erkrankungen wichtig, bei Neurodermitis spielen auch Zink und Selen beispielsweise eine große Rolle. 

Ab welchem Alter würden sie denn bei einem Kind ein Blutbild abnehmen? Mein Enkel ist jetzt 6 Monate alt und hat einen kleinen weißen Fleck über dem Auge, das beunruhigt mich natürlich sehr. 

Das können sie bei jedem Alter machen. Man sollte natürlich herausstellen, dass viel von der mütterlichen Versorgung abhängt wenn das Kind gestillt wird. Eine stillende Frau braucht 4000 bis 8000 Einheiten Vitamin D am Tag, damit das Kind überhaupt etwas abkriegt. Das geht nur über tägliche Gaben, die Stoßtherapien die man machen kann bringen in diesem Fall nichts.

Auch oxidativer Stress, wie Verbrennungen, Bestrahlung oder auch einfach zu schnell essen, ist bei den Vitiligopatienten ein großes Thema. Die spezifische Abwehr benutzt Chemikalien zum Zerstören von Fremdstoffen wie Viren, Bakterien, Pilzen oder Giften. Die Abwehrzellen fressen ihn auf und zerstören ihn in sich drin, wodurch Viren und kleine Bakterien aufgelöst werden. Etwas so Großes wie Parasiten oder einige chemische Substanzen können nicht gefressen werden, deshalb werden sie überkippt mit Chemikalien. Das umliegende Gewebe muss hierbei durch Enzyme geschützt werden. Die Chemikalien erzeugen axophile Sauerstoffmoleküle oder Moleküle, die durch das Wegnehmen von Energiesubstanzen wie Elektronen die Zellen „plattmachen“. Ein Melanozyt ist sehr groß und wird deshalb mit Wasserstoffperoxid überkippt, die Mechanismen die es entschärfen funktionieren bei den Betroffenen nicht, dieser Zustand kann angeboren sein oder aus einem Zink-, Selen-, oder Kupfermangel resultieren, die Enzymsysteme sind abhängig von diesen Spurenelementen. Bioperine sind Substanzen, die solche Reduktionen machen können, wenn sie verschoben sind akkumuliert das Wasserstoffperoxid in der Haut. Es hat eine antimikrobielle Wirkung, hemmt das Enzym Tyrosinase und die Katalasen, die das Wasserstoffperoxid entgiften. Dadurch, dass es länger in der Haut bleibt, werden auch bereits eingefärbte Zellen gebleicht und die Haut wird weiß. Manche Patienten merken ein Prickeln, bevor es weiß wird und können es „vorhersagen“. 

Bei mir war auf der rechten Seite am Bauch eine Stelle, die heftig gejuckt hat.

Wir sehen im Moment extrem viele Überlagerungen, das ist sehr schwierig weil nicht nur die Vitiligo mit mehreren Krankheiten zusammen auftritt sondern zum Beispiel auch Neurodermitis und Schuppenflechte. Das bereitet uns viele Probleme, weil man Neurodermitis beruhigen muss während die Schuppenflechte ausgebrannt werden will. John Irving beschreibt in seinem Buch „Der Kampf mit meiner Haut“ sehr eindrucksvoll, wie er kämpft. Wenn allergische Erkrankungen mit Schuppenflechte auftreten muss man diese beruhigen und kann natürlich die Schuppenflechte nicht behandeln, wenn man dann daran geht kommt die Neurodermitis wieder. Interessant ist auch, dass bei Vitiligopatienten die Lebensqualität oft viel stärker eingeschränkt ist als bei denen mit Neurodermitis oder Schuppenflechte.

In welchem Zusammenhang sehen sie das mit Typ 1 Diabetes, also wie oft tritt das zusammen auf?

Wir sehen im Jahr etwa 60% mit Schilddrüsenerkrankungen und 2% die an Typ 1 Diabetes leiden.

Problematisch ist auch die perniziöse Anämie, also das signifikante Fehlen von Vitamin B12. Die Zähne und der Magen werden angegriffen, die den Transporter für Vitamin B12 herstellen, welches ein wichtiges Element für die Vervielfältigung von Zellen ist. Wenn neues Pigment gebraucht wird muss ich neue Pigmentzellen herstellen, dafür brauche ich DNA und hierfür wiederum Vitamin B12. Eine Pigmentzelle ist verantwortlich für 36 Hautzellen, deshalb ist gleich eine ganze Fläche weiß.  Eine Pigmentzelle ist ein großes Kraftwerk, es kriegt alle Rohstoffe geliefert und produziert in sich Melanin, welches in Melanosomen verpackt und über die Arme an die Zellen weitergegeben wird. Der Körper will die Basalzellschicht oben schützen, deshalb macht er Pigment. Die Basalzellen sind ganz empfindlich und verletzbar, auf dieser Zellebene können alle Zellen gemacht werden die ich in der oberen haut brauche. Wenn ich beispielsweise eine Brandblase habe werden dafür Keratinozyten, Bindegewebszellen und Fettzellen gebraucht, um die Haut zu rekonstruieren. Die Basalzellen sind eine pluripotente Zellschicht. Wenn zu viel Energie auf die Zellen fällt, können sich die Zellkerne verändern, und es würde sich Krebs bilden – in diesem Fall weißer Hautkrebs. Deshalb braucht der Körper Melanin, wenn das Sonnenlicht darauffällt wird die Energie geschluckt und brennt nicht auf die untere Schicht, diese kann sich nicht schlecht verändern.

Das ist der Grund, weshalb wir Pigment machen wenn viel Sonne auf die Haut scheint, wenn das nicht mehr nötig ist verteilt sich der Körper um – das ist der Grund warum die Pigmentierung im Winter zurückgeht. In unseren Breiten ist das Melanin der Vitamin-D-Produktion im Weg. Ein interessanter Ansatz besagt, dass die Bevölkerung im Norden ursprünglich aus Afrika kam und einen ganz dunklen Hauttyp hatte, die Menschen sind krank geworden weil das Vitamin D fehlte. Die Frauen, die zu viel Pigment hatten, haben enge Becken entwickelt und konnten so, im Gegensatz zu den weniger stark pigmentierten, keine Kinder bekommen – so entwickelte sich der keltische typ, den wir jetzt kennen.

Tyrosin kann aus Phenylalanin gebildet werden, beides wird über die Nahrung aufgenommen, Walnüsse, Fisch, Eier und Hühnchen geben uns viele der Grundaminosäuren. Wir brauchen Tyrosin, um über viele schritte Melanin zu erzeugen.

Oxidativer Stress, der viele Gründe haben kann, führt zu freien Radikalen. Umweltverschmutzung, schlechte Ernährung mit viel Konserviertem aus Dosen, Plastik oder Aluminium ändern etwas im Körper und blockieren bestimmte enzymatische Prozesse – die Entzündung wird verstärkt. Bei Vitiligo wird es weiß, bei Psoriasis bilden sich schuppende Plaques und bei der Neurodermitis juckende Hautstellen. Der Körper kann sich entgiften, weil wir viele Entgiftungssysteme wie die Superoxiddismutase haben, diese sind aber abhängig von Zink und Kupfermangan. Die Katalase ist  abhängig von Selen, dieses kann beispielsweise schädliches Fett, die Lipidperoxide neutralisieren. Die stehen in Verbindung mit Herzinfarkt und hohem Blutdruck.

Vor 5 oder 6 Jahren gab es doch einmal eine Studie dass zu viel Selen Diabetes 1 triggern kann?

 Es ist immer eine Dosisfrage, aber wie bei Vitamin D auch haben wir da glücklicherweise einen großen Spielraum. Bei Autoimmunkrankheiten beispielsweise sind heute 200 Mikrogramm pro Tag empfohlen.

Wichtig ist auch, wo Selen gemessen wird – die genauesten Messungen werden im Vollblut gemacht.  Der Normalwert liegt bei 100-140, die meisten Patienten die man untersucht haben 60-90 und werden während der Behandlung regelmäßig nachgeprüft.

Vitamin D kann die Zellmembran stabilisieren, deshalb zählt es zu den Schutzmechanismen.

In der Klinik geht man davon aus, dass ein Mensch mit einem perfekt intakten aber sehr grobschlächtigen Immunsystem geboren wird das auf alles reagiert. Die spezifischen Immunzellen werden innerhalb der ersten vier Lebensjahre vom Thymus unter der Schilddrüse geschult, sie kommen aus dem Knochenmark und werden teilweise dahingeschwemmt. Bestimmte Eiweiße zeigen wie die Oberfläche einer Zelle, die zum Körper dazugehört aussieht, die nicht angegriffen werden darf, sie bekommen aber auch gezeigt was körperfremd ist.  Es gibt immer eine Zelllinie für einen Erreger, die sogenannten „T-Helferzellen“. Zytotoxische T-Zellen werden von Helferzellen auf Eindringlinge aufmerksam gemacht und dahingeschickt, sie können diese dann mit Chemikalien bekämpfen. Die regulierenden T-17-Zellen geben dann Bescheid, wenn es Zeit für einen „Rückzug“ ist. 1,5 Milliarden Erreger können erkannt werden, für jeden gibt es eine Linie.  Ab 65 geht das leider zurück, das Immunsystem „braucht eine dicke Brille“ und reagiert langsamer auf Erregen – deshalb werden ältere Menschen seltener, aber wenn dann richtig krank. Das ursprüngliche Babyimmunsystem kommt zum Einsatz, dieses vernichtet auch viel gesundes Gewebe, was Entzündungen im Alter so gefährlich macht. Im Körper gibt es auch die „Büchse der Pandora“, die Veranlagungen enthält wie die zu Diabetes, Krampfadern und ähnlichem. Solange das Immunsystem alles von außen packt und auch die Büchse bewachen kann ist alles gut, wenn aber viel von außen kommt sind die Immunzellen beschäftigt. Hierbei handelt es sich nicht nur um Infekte, sondern auch um psychische Belastung, Fast Food und auch Plastikwasser, was toxische Substanzen in den Körper einschwemmt. Irgendwann sind alle Immunzellen beschäftigt, die die Büchse bewachen – wenn diese dann aufgeht kommen die Plagen raus, zusätzlich zu Krankheiten kommen dann noch die Veranlagungen heraus. 

Das kenne ich, ich habe in den 90ern mal zu mir gesagt, „oh an der Vitiligo kann ich jetzt nichts machen da schließe ich mal alle anderen Baustellen“, und hatte dann tatsächlich nach langer Zeit mal einen Stillstand.

Ja das ist genau der Punkt, man muss dann schauen was der Tropfen war der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, weshalb die Büchse aufgesprungen ist und die Veranlagungen rausgelassen hat. Dann müssen wir schauen wo kommen wir ran und können Immunzellen freilassen. Wir können Infektionen schnell behandeln, auch ohne Antibiotikum, beispielsweise durch homöopathische Mittel oder Phytotherapeutika – man muss keine anderen Schäden setzen. Auch Stress kann ich reduzieren und meine Einstellung dazu ändern oder lernen, damit besser umzugehen, unter anderem durch Meditation, Entspannungsübungen, eine kleine Gartenecke … irgendetwas was es den Betroffenen ermöglicht den Alltag mal loszulassen, auch hier in der Klinik haben wir viele verschiedene Entspannungsmöglichkeiten.

Wichtig ist bei der Vitiligo, dass nicht unzählige neue Stellen weiß werden, man muss das Voranschreiten stoppen.

Betroffene sollten in die Sonne gehen, denn sie brauchen Vitamin D. Das in der Haut gebildete Vitamin D ist viel wichtiger als das aus der Nahrung, außerdem muss ich natürlich auch meinen Alltag wieder aufnehmen und wieder normal leben können.  Die Lichtschwiele, eine Verdickung der Hornzellschicht, die das Sonnenlicht spiegelt, muss gebildet werden. Zuerst verdickt die Hornschicht bevor Pigmente gebildet werden. Das heroische Ziel 3 ist die Repigmentierung.  

Um das Stoppen des Voranschreitens zu ermöglichen muss man die Faktoren herausfinden, die es vorantreiben – das sind unter anderem möglicherweise auch Amalgamfüllungen in den Zähnen. Wenn man darauf herumkaut und sie verschluckt wird sie durch die Darmbakterien zu organischem Quecksilber, es schädigt die Darmzellen und ruft eine Immunreaktion hervor. Die Immunzellen müssen deaktiviert werden. Wichtig ist auch, durch die Gabe von Selen, Zink oder Kupfer das Wasserstoffperoxid abzubauen. Zudem muss man sich daran orientieren, welche Faktoren weggenommen werden können, ohne das Leben der Betroffenen stark zu beeinflussen. 

 Was ist mit Herzbelastungen?

„Herzbelastungen“ sind Zähne, die wehtun, eine immer wiederkehrende Blasenentzündung … etwas was eben immer wieder kommt und sie belastet. Es gibt aber Möglichkeiten, das Immunsystem dazu zu bringen das von selbst zu reinigen.

Bei einem „Großalarm“ im Immunsystem, beispielsweise bei einem Infekt, werden auch die Immunzellen, die für die Vitiligo verantwortlich sind, alarmiert. Es werden Botenstoffe losgesendet die diese aktivieren.

Lipidsenker senken den Magnesiumspiegel, das ist problematisch weil die Enzyme, die das Vitamin D umwandeln Magnesium brauchen, außerdem trocknen sie die Haut aus. Das Cholesterinmolekül, die Ausgangssubstanz für Vitamin D, wird durch Cholesterinsenker weniger. Auch die Anwendung von Omeprazol ist schwierig, viele Patienten haben Magenschmerzen und Sodbrennen und bekommen sofort so etwas.  Kalzium und Vitamin D sind wichtige Substanzen – das Kalzium wird aus Milch gewonnen, man braucht aber Salzsäure im Milch verdaut werden und quellen kann, diese Säure fehlt durch die Einnahme von Pantoprazol Magen damit die etc.

Ich nehme das tatsächlich jeden Tag, kennen sie Alternativen?

Es kommt immer darauf an, warum es gegeben wird. Wenn die Übersäuerung tatsächlich der einzige Grund ist oder weil sie den ganzen Tag Kaugummi kauen, was dem Körper natürlich signalisiert, dass etwas zu essen kommt und die Säurebildung anregt, kann man auf Kaugummi verzichten und zusätzlich Basentabletten einnehmen, basische Mineralien neutralisieren die Salzsäure. Wenn sie aber tatsächlich einen Bruch im Zwerchfell oder so etwas haben, wird der Magen hochgezogen und die Salzsäure wirkt in die Speiseröhre – in diesem Fall kann es sein, dass man aufgrund des erhöhten Krebsrisikos der Betroffenen einen Kompromiss eingehen muss.

Der Magendarmtrakt ist wichtig, weil Vitamine, Mineralien und Spurenelemente dadurch in den Körper kommen können. Wir wollen einerseits, dass nur das durchgelassen wird, was uns auch gut tut, andererseits aber nehmen wir wieder Kopfschmerztabletten oder ähnliches und führen so dem Körper bewusst Chemikalien zu. Wenn viele Chemikalien im Körper sind bedeutet das auch, dass die Immunzellen viel arbeiten müssen. Diese handeln zu 70% entlang des Magendarmtraktes. Das Darmimmunsystem ist dreigestuft, ein Teil liegt ganz oben an der Darmwand, der zweite bei den Lymphbahnen und der dritte zentral. Wenn es bei den Darmzellen Probleme gibt, wird es auch an die Immunzellen in der Haut gemeldet. Wenn unten im Darm Helicobacter oder ähnliches da ist, weiß das auch die Haut am nächsten Tag und wappnet die Immunzellen. Sie werden in einen halbaktiven Zustand versetzt, bei der Vitiligo werden Hautzellen angegriffen.

Pigmentbildende Zellen sind dendritische Zellen, das bedeutet dass sie Arme haben und sich im Gewebe bewegen können. Wenn der Randbereich eines weißen Flecks noch braun ist, gibt es dort noch lebende Pigmentzellen, die, wenn ich einen Reiz setze, zum Schutz in die weiße Zone geholt werden. Auch muss man den Körper optimal versorgen, Zink, Kupfer, Magnesium und Folsäure werden auch gebraucht, um Krebszellen aufzuspüren und Infekte abzuwehren. Wenn nicht genügend davon im Körper ist, wird das Verfügbare immer in die Abwehr von lebensbedrohlichen Erregern gesteckt, die Haut steckt sozusagen zurück. Wenn ich beispielsweise in sonnigen Gegenden unterwegs bin, wird Pigment als Schutz gegen Hautkrebs gebildet, komme ich zurück in lichtarme Gegenden ist die Haut wieder nicht mehr so wichtig. Das bedeutet, dass ich diese Stoffe im Übermaß brauche, die optimale Versorgung ist wichtig damit nicht alles was verfügbar ist in die Abwehr eingebaut wird. Auch Sauerstoff ist wichtig, die Pigmentbildung braucht viel davon – die Tyrosinasen arbeiten beispielsweise unter Sauerstoffreichtum besonders gut. Man sollte einen Lichtreiz als Impuls zur Pigmentbildung setzen. In der Fachklinik werden die Patienten zweimal täglich bestrahlt  und der Haut dann 12 Stunden Pause gegeben.

Gehen sie dann bis zur Erythemschwelle oder bleiben sie darunter? Man braucht ja auch wieder 24 Stunden um das abzubauen.

Knapp drunter. Wir haben immer bis an die Erythemschwelle bestrahlt aber es wurde gesagt es reicht wenn wir kurz drunter sind, gerade wegen der Sicherheit für die Kinder. Bei uns in der Klinik wird auch immer von einem Arzt bestrahlt, der sich die Haut anschaut und entscheidet, wie viel gerade gebraucht wird.

Welche Sonne brauche ich denn zu welcher Zeit?

Das weiß man eigentlich gar nicht so richtig, als Hauttyp 1 und 2 beispielsweise sollte man eher morgens um 10 und nachmittags um 16 Uhr gehen und nicht in die knallige Sonne, ein stärker pigmentierter Typ hat es da einfacher. Rothäutige sind da schlechter dran weil sich das rote Pigment nicht so einfach bilden lässt wie das braune, das hängt vom Geburtstypen ab.

Es gibt für eine Klinik einige Bedingungen wenn Patienten stationär aufgenommen werden sollen:

Sie müssen bereits mehrfach erfolglos vorbehandelt worden sein und diese Behandlungen nachweisen können.

Die Erkrankung muss eine psychische Belastung darstellen, wie die sichtbare Vitiligo im Gesicht, Hals, Dekolleté, Genitalbereich.

Es liegen weitere Autoimmunerkrankungen vor, oder sie werden vermutet und gegebenenfalls während der Behandlung diagnostiziert.

Der Betroffene steht unter einem gewissen Leidensdruck

Normalerweise heißt doch stationäre Behandlung dass man da vor Ort in der Klinik bleibt?

Nein.

Wie ist denn die Erfahrung bei Patienten die bleiben wollen aber sich nicht auf die Verordnung abgestimmt haben?

Wenn die Bedingungen erfüllt sind ist das kein Problem. Die Verordnung muss von mir als stationärem Behandler geprüft werden, ich muss entscheiden ob der ambulant eine Chance gehabt hätte. Da ist die Theoriegrundlage nicht die Machbarkeit, die rein theoretische Möglichkeit dass sie in 200km Entfernung hätten bestrahlt werden können reicht aus, damit entschieden wird sie hätten sich erst ambulant behandeln lassen müssen.

Die Erfolge sind für Patienten, die anfangen, wirklich gut. Sie können natürlich nicht in 3 Wochen zurückpigmentiert werden, aber spätestens in der dritten Woche werden Erfolge sichtbar, wenn es sie gibt. Die Patienten können dann für sich selbst entscheiden ob sie weitermachen oder ob sie beschließen nur die Mineralstoffe zu nehmen und dann im Sommer mit der natürlichen Sonne zu pigmentieren.

Wie hoch ist die Ansprechrate, 15%?

Nein höher. Wir haben wegen der Verordnung nicht mehr so viele Vitiligo-Patienten, aber die die da waren sind alle in den 3 Wochen darauf angesprungen und haben pigmentiert, das auch relativ schnell.

Das Vitamin D kann ganz viel, außer Vitamin D können noch andere Photoprodukte gut tun. Prävitamin D entsteht in der Haut, wenn wir in die Sonne gehen, daraus entsteht später Vitamin D3. In der Leber wird durch die 25 Hydroxylase Vitamin D in Speicherform als Hormonvorstufe hergestellt. In der Niere beeinflusst es das Hormon 1,25 Dihydroxycholecalziferol, wodurch der Kalziumspiegel reguliert wird und ist somit zuständig für die Knochen.  Man kann Vitamin D auch über die Nahrung aufnehmen, zum Beispiel über Eier, Milchprodukte und Fisch. In Deutschland muss es wegen der fehlenden Sonneneinstrahlung supplimentiert werden.

Hydroxylasen können in ihrer Funktion genetisch behindert sein, wenn sie zu langsam arbeiten entsteht ein Mangel. Auch das Altern ist vom Vitamin-D-Spiegel abhängig, wenn man genug hat altert man nicht so schnell, weil es den Zelltod verhindert und sich sowohl um das Immunsystem als auch um die Zellregeneration kümmert. Die Gefäßzellwände werden durch das Vitamin stabilisiert, sogar ohne Umwandlung. Der Kalziumhaushalt ist aber das wichtigste was etwas mit Vitamin D zu tun hat, Herz und Muskelfunktion sind davon abhängig. Die Kalziumkanäle müssen sich öffnen sonst funktioniert vieles nicht. Ab 20mg/ml übernehmen langsamere Enzyme in der Leber, damit nicht zu viel Kalzium produziert wird, die in der Niere zerstören sich ab einem gewissen Punkt selbst. Alle Organe, unter anderem Haut, Darm und Herz können selbst Vitamin D umwandeln, es reguliert 2000 Gene, die aktiv werden und Stoffwechselprozesse machen. Es wird vermutet, dass uns auch unmetabolisiertes Vitamin D gut tut. Das 25 OH Vitamin D als Speichervitamin bzw. Hormonvorstufe ist hauptsächlich an Transportproteine gebunden, aber ein Teil ist frei und kann in andere Zellen gehen. Einzig die Niere hat ein aktives Transportsystem in sich hinein. Problematisch ist, dass die meisten Vitamin D Präparate auf Erdnussölbasis sind, was eines der Hauptallergene ist, weshalb in der Akutklinik in Leutenberg verschiedene Öle als Basis genutzt werden, je nachdem was der Patient verträgt.

Die Funktion des freien Vitamin D klappt am besten, wenn es täglich eingenommen wird, Vitamin K2 soll eingenommen werden damit kein Kalzium aus den Knochen rausgenommen wird.

Wenn man eine Laktoseintoleranz hat ist das mit Kalzium ja an sich ein bisschen schwierig.

Nö. Kalziumreiches Mineralwasser, Sojamilch oder verschiedenes Gemüse können hier Abhilfe schaffen, auch ohne dass man zusätzlich noch Präparate einnimmt.

Coimbra, ein brasilianischer Arzt, der hauptsächlich MS und Patienten mit neurologischen Problemen behandelt, stellt in seinem Coimbra-Protokoll folgende Thesen auf:

Vitamin D stimuliert die Produktion von Substanzen, die das Gehirn reparieren, und wirken somit neuro-regenerativ. Es reguliert und stärkt das Immunsystem. Vitamin D unterdrückt Botenstoffe die Autoimmunerkrankungen auslösen. Patienten, die an Autoimmunerkrankungen leiden, haben ein Problem mit der Aufnahme von Vitamin D – dem kann sowohl eine angeborene Resistenz zugrunde liegen als auch ein Magnesium- oder Vitamin-B2-Mangel.

Als tägliche Dosis empfiehlt er 7000 Einheiten für jeden, hier sind 2000-4000 üblich, die Gesellschaften sagen sogar nur  600.

Coimbra misst das Parathormon, um die Resistenz zu überwinden gibt er seinen Patienten täglich sogar 30.000-100.000 Einheiten Vitamin D am Tag, dadurch kann aber der Kalziumhaushalt durcheinandergebracht werden, wenn man doch zu viel davon hat, es kann zu Nierensteinen führen. Deshalb werden die Patienten streng überwacht und nehmen eine kalziumarme Diät zu sich. Da hier an einem Hormonhaushalt gedreht wird, darf man es nicht ohne Arzt nachmachen. Auch der Calciumgehalt der Knochen wird gemessen. So wird überwacht, dass ein hohes Maß an Vitamin D nicht statt aus der Nahrung zu viel Calcium aus den Knochen freisetzt. Mit regelmäßiger Bewegung wird der Calciumeinbau in die Knochen sichergestellt.

Ein 15er Sonnenschutz verhindert die Vitamin-D-Bildung bereits um 95%, deshalb sollten selbst Vitiligo-Patienten bis zu einer halben Stunde je nach individueller Verträglichkeit ungeschützt in die Sonne. Auch emotionale Auslöser sorgen für Autoimmunkrankheiten und Vitiligo.

Der tägliche Magnesiumbedarf eines gesunden Menschen liegt bei 300mg, die Hydroxylasen brauchen Vitamin B2 um arbeiten zu können.

Man sollte immer versuchen, über natürliche Substanzen Gesundheit zu erreichen, bei Vitiligo wären eine erprobte Alternative die sogenannten Januskinase-Hemmer – diese sind aber sehr chemisch und haben super viele Nebenwirkungen. Ein Pluspunkt ist, dass die Dinge, die ich für die Vitiligo tue, auch das Risiko für Krebs und Herzerkrankungen senken. 

Gibt es eine bestimmte Ernährungsweise was den Körper betrifft, vegan vegetarisch?

Das ist eine Frage der Wahrnehmung. Vor kurzem habe ich den Begriff des Kopf-Vegetariers gelernt, das sind Menschen die denken diese Ernährung tue ihnen gut, obwohl sie es überhaupt nicht mögen – einfach, weil sie sich einreden das würde gut tun. Es gibt verschiedene Stoffwechseltypen, während manche wirklich nur einmal die Woche Fleisch essen sollten gibt es andere die es jeden Tag brauchen, dafür aber keinen Salat weil sie den nicht verstoffwechseln können, das ist unser individueller Enzymsatz. Es gibt Ernährungsberater, die alle drei Typen kennen und sie dahingehend beraten können. Es ist eben die Kunst, zu sehen was mir gut tut, auch mal gegen die Gelüste. Möglichst wenige Konservierungsstoffe und Farbstoffe sind wichtig, natürlich eben. Auch ist es empfehlenswert beim Grillen mal die Alufolie wegzulassen, das ist ein Element das wir später nicht mehr aus dem Körper herausbekommen. 

Ich habe mir vor Jahren ein Ganzkörperbestrahlungsgerät gekauft, weil ich großen Stress damit hatte zum Bestrahlen zum Arzt zu fahren. Kann man das Gerät wirklich so lang nutzen wie es funktioniert oder muss man die Lampen warten lassen? Das kann man sich ja normal überhaupt nicht leisten .

Ja das ist notwendig. Medilux betreut auch uns in der Klinik, dort kann ihnen weitergeholfen werden. Es ist auf jeden Fall wichtig, die Emissionen zu messen damit sie das Gerät auf sich einstellen können, jedoch spielt es keine Rolle ob sie immer die neuesten Lampen haben. Auch mit älteren Lampen können sie bestrahlen, dann halt gegebenenfalls fünf Minuten länger. Der Wellenbereich ändert sich bei alten Geräten nicht. 

Sie haben vorhin die Magen-Darm-Trakte angesprochen. Ich habe drei leidvolle Erfahrungen damit gemacht, einmal nach der Schwangerschaft, einmal nach einem Autounfall und letztes Mal nach einem zweiwöchigen Libyen-Aufenthalt, bei dem ich starke Magen-Darm-Probleme hatte, jedes Mal ist es „explodiert“ und viele neue Flecken dazugekommen. Ich konnte es bis heute nicht regulieren. Können sie mir eine Therapie empfehlen, die mir hilft dass ich es wirklich wieder ganzheitlich in den Griff bekomme? 

 Gehen sie zum Heilpraktiker oder suchen Naturheilverfahren, die sich mit solchen Linien beschäftigen. Es gibt wirklich sehr gute Naturheiler, die sich darum kümmern und die wirklich sehr gut in ihrem Fach sind. Bei ihnen werden bestimmte Methoden genutzt, die normale Mediziner so nicht für sich nutzen würden. 

Sie sagten vorhin, dass Antibiotikagaben abgeschafft werden sollen, aber manchmal geht es nur mit. Ich hatte dieses Jahr schon zweimal eine Blasenentzündung, die ich damit behandeln musste.

Nein, manchmal sind Antibiotika wirklich notwendig. Wichtig ist nur, dass sie sich dabei nicht im Kreis drehen. Bei uns in der Klinik wird immer parallel zur Gabe von Antibiotika eine Pilzbehandlung durchgeführt, danach wird der Darmtrakt wieder aufgebaut und sie sollten nach einer solchen Behandlung mindestens zwei Wochen Milchsäure und Coli-Bakterien zuführen. 

Ich lese oft in Foren, dass Vitiligo-Patienten wegen der fehlenden Pigmente Angst haben, dass sie Krebs bekommen, wenn sie mit den weißen Stellen in die Sonne gehen. Ich als Laie sage, dass es auch falsch ist die Sonne komplett zu meiden. 

Ja das ist richtig, man sollte aber auch nicht verbrennen. Ich würde wie gesagt eine halbe Stunde ungeschützte Sonne empfehlen, danach dann wieder geschützt und nicht in der prallen Mittagssonne. Wichtig ist auch, dass sie keine Sonnencreme nutzen sollten die die Aufschrift liposomal trägt. Die sind gefährlich, weil die Liposomen die Bluthirnschranke überwinden können, und auch Aluminium kann enthalten sein und dadurch aufgenommen werden. 

Ich habe überhaupt keine Reaktion wenn ich in die Sonne gehe, ich werde auch nicht rot. Sie sagen ja dass man nur eine halbe Stunde in die Sonne soll .

Das ist gut. Wenn sie es gewöhnt sind und die Sonne vertragen können sie das ruhig auch länger, der Rat geht hauptsächlich an diejenigen die sich jahrelang nicht in die Sonne getraut haben

Zusammenfassung Amelie Weydringer

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