Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen, die sehr selten sind, werden als „Kolibris“ bezeichnet – Erkrankungen wie das Kawasakisyndrom gehören zu den Kolibris, während die Psoriasis eine häufige Autoimmunerkrankung ist.  Bei den Betroffenen spielt das Immunsystem verrückt, der Körper kann nicht mehr zwischen Freund und Feind unterschieden und greift körpereigenes Gewebe an. 

 Am Immunsystem treten Störungen, deren Ursachen zuweilen noch ungeklärt sind, im Lernprozess auf und verursachen die Unfähigkeit der Differenzierung zwischen eigenem und fremdem Gewebe.  Der menschliche Körper verfügt über eine zentrale Immuntoleranz, was ermöglicht, dass eigene Zellen erkannt und geschont werden – wenn Fehler in diesem Bereich auftreten, kommt es zu einer Autoimmunerkrankung.  Durch die Störung im Abwehrsystem wird körpereigenes Gewebe als Fremdkörper erkannt, woraufhin Fresszellen zu dessen Vernichtung gesandt werden. Erkenntnisse erhofft man sich aus der Entschlüsselung des Mikrobioms, also der Bakterien im Darm und auf der Haut. Beispiele für Autoimmunerkrankungen sind unter anderem Kreisrunder Haarausfall, Autoimmunhepatitis, Colitis ulcerosa,  Typ A Gastritis , Hashimoto, Lupus, Morbus Crohn, Psoriasis  und rheumatoide Arthritis – die beiden letzt genannten Krankheiten sind augenfällig, da sie als Hauterkrankungen deutlich sichtbar sind.  Es gibt etwa 60 dieser Autoimmunerkrankungen.

Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine Erkrankung, die den ganzen Magen- Darm- Trakt befallen kann; sie zeigt sich in abschnittsweisen Entzündungen der Darmwand und der Schleimhaut. Der am häufigsten befallene Bereich ist der des terminalen Ileum, also die letzten cm des Dünndarms, und das Kolon. Die Erkrankung verläuft in Schüben. Morbus Crohn tritt meist in den ersten 40 Lebensjahren auf und kann jeden treffen, über 50jährige Personen haben im Normalfall keine Neuerkrankung mehr zu befürchten.  Die Pathogenese des Morbus Crohn ist nicht geklärt, es ist jedoch möglich, dass normale Darmflora in die Darmwand gelangt und dort für Entzündungen sorgt. Im menschlichen Darm gibt es etwa 1500 Bakterienstämme, wenn etwas davon eindringt, kommt es zu einem Abwehrkampf mit den T-Lymphozyten, Makrophagen und Entzündungsmediatoren, wodurch Entzündungen getriggert werden. Die Folgen sind lokale Gewebsschädigungen wie Rötungen, Nekrosen und Vernarbungen. Die anfänglichen Symptome sind meist Durchfall und Bauchschmerzen, es können Fisteln und Abszesse im Analbereich auftreten. Weitere Folgen der Erkrankung sind der Gewichtsverlust durch Malabsorption, was dazu führt, dass die Nährstoffe nicht in die Blutbahn gelangen, Darmverengungen und schlimmstenfalls ein Darmverschluss. Diagnostiziert wird Morbus Crohn anhand von Koloskopie und Gastroskopie, MRT und Sonographien, Entzündungswerte im Blutbild und durch bakteriologische Untersuchungen. In der Therapie spielen Diäten mittlerweile eine stark untergeordnete Rolle, es wird medikamentös durch Steroidgabe, die Verabreichung von Immunsuppressiva oder Immunmodulatoren, die eine Beeinflussung ohne Abwehrunterdrückung ermöglichen, behandelt. Beispiele hierfür sind Azathioprin und 6-Mercaptopurin. Wenn durch diese Therapiemethoden keine Erfolge erzielt werden, kann auf Biologika zurückgegriffen werden. Durch TNF-alpha-Antikörper kann beispielsweise der Tumor-Nekrose-Faktor blockiert werden, 60% der Patienten sprechen auf eine solche Behandlung an. Durch Stress kann es jedoch zu einem Rückfall kommen, auch das Rauchen sollte aufgegeben werden, um die Krankheit nicht zu verschlimmern. Regelmäßige endoskopische Kontrollen sind erforderlich. Bei entsprechender Lebensweise und Therapie ist die Lebenserwartung kaum eingeschränkt.

Colitis ulcerosa

Die Colitis ulcerosa ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, deren Verlauf weitgehend kontinuierlich ist – sie befällt jedoch ausschließlich die Dickdarmschleimhaut in verschiedenen Schweregraden. Jedes Jahr gibt es 5-25 Neuerkrankungen pro 100000 Einwohner, man erkrankt ebenfalls in den ersten 40 Lebensjahren, bei Kindern jedoch ist die Erkrankung relativ selten. In 50% der Fälle ist der Bereich des unteren Rektums bis hin zum Sigma befallen, bei  25% der Erkrankten geht der Fall bis zum Querdarm, ebenfalls 25% sind am ganzen Darm betroffen. Die Ursache ist nicht letztendlich geklärt, das erste Symptom der Erkrankung ist der blutig schleimige Durchfall, weiter Fieber, Anämien und krampfartige Unterbauchschmerzen.  Für die Diagnose erfolgt eine Darmspiegelung, es werden Laborwerte untersucht und eine bakteriologische Stuhluntersuchung durchgeführt. Die meisten Patienten haben in ihrem Krankheitsverlauf Zeiten der Remission ohne Beschwerden, bei 10% der Betroffenen verläuft sie kontinuierlich, 5% leiden an der akut fulminanten Ausprägung, die plötzlich beginnt und intensive Beschwerden mit sich bringt. Hinzu kommt in diesem Fall die Gefahr des toxischen Megakolons, infolgedessen sich der Darm massivst aufbläht. Auch das Krebsrisiko der Patienten ist erhört, eine regelmäßige Vorsorge ist zwingend notwendig. Therapiert wird mit Immunsuppressiva, Cortison Mesalazin (Sulfasalacin bei Gelenkbeteiligung) – chirurgische Eingriffe werden als Notanker durchgeführt. Auch die Behandlung mit Biologika ist möglich. Auch hier ist die Lebenserwartung unter den richtigen Umständen nicht wesentlich eingeschränkt.

Psoriasis

Bei der Psoriasis vermehren sich die T-Zellen ebenso wie die Hautzellen unkontrolliert, was zu einer Entzündung führt. Die Ursachen der Erkrankung sind ungeklärt, es lässt sich jedoch eine genetische Veranlagung erkennen. Das Krankheitsbild sind unter anderem begrenzte gerötete Stellen und Tüpfelnägel, auch ist eine Gelenkbeteiligung häufig. Die Erkrankung wird häufig mit Lotionen und Cremes lokal therapiert, auch gibt es die Möglichkeit einer Lichttherapie. Mit Biologika und Antikörpertherapien werden bei der Psoriasis ebenfalls Erfolge erzielt.

Rheumatoide Arthritis

Die rheumatoide Arthritis ist eine der bekanntesten Autoimmunerkrankungen, sie verläuft chronisch entzündlich und befällt die  Gelenkinnenflächen, Schleimbeutel, Sehnen und die Gelenkhaut. Auch außerhalb, beispielsweise am Herzen, ist die Erkrankung aktiv. Die zunehmende Zerstörung der Gelenke führt unter anderem zur Bewegungsunfähigkeit und Schwellungen – ältere Menschen ab dem 55. Lebensjahr sind vermehrt betroffen. Auch ist die Erkrankung unter den Frauen weiter verbreitet als bei Männern. Die Ursache ist unbekannt, es erfolgt die Induktion einer Abwehrreaktion in den Gelenken durch virale Bakterien bzw.  Infektionen.  Rauchen und Übergewicht verstärken den Krankheitsverlauf. Symptome sind unter anderem  Abgeschlagenheit, Nachtschweiß, leicht erhöhte Temperatur und Morgensteifigkeit. Die Erkrankung führt zu Gelenkverformungen, Muskelatrophie und Rheumaknoten, auch die Organe können beteiligt sein. Antigen-Antikörperkomplexe führen zur Zerstörung der gelenkinnenhaut, das Osteoporoserisiko steigt durch die fehlende Bewegung. Zur Diagnostik dienen Kernspintomographie, Sonographie und Punktionen; therapiert wird mit  nichtsteroidalen Antirheumatica wie Diclofenac und Ibuprofen, viel Bewegung, Kältetherapie oder medikamentös mit Immunsuppressiva oder temporär mit Cortison. Auch Hydrochloroquin und Biologika kommen zum Einsatz. Bei Verdacht auf Rheuma sollte man sich an einen Internisten wenden.

Hashimoto- Thyreoiditis

Die Hashimoto- Thyreoiditis ist die häufigste Entzündungsform in der Schilddrüse, Frauen sind im Verhältnis 9:1 häufiger betroffen – die Hauptrisikogruppe sind Menschen zwischen 30 und 50 Jahren. Hashimoto ist oft mit anderen Autoimmunerkrankungen gekoppelt, es zeigt sich eine familiäre Disposition. Im Gehirn werden die Schilddrüsenwerte durch den Hypothalamus kontrolliert, er stimuliert die Schilddrüse über Steuerungshormone.  Wenn diese jedoch ein fehlerhaftes Hormon produziert, schlägt das Schlüssel- Schloss- Prinzip fehl. Dies zeigt sich meist an einem erhöhten TSH-Basalwert – dieser wird wegen der Zerstörung der Schilddrüse langfristig jedoch erniedrigt. Hashimoto wird durch Ultraschall- oder Farbdoppleruntersuchungen und Antikörperbestimmungen diagnostiziert, die Therapie erfolgt in Form der Hormongabe (Thyroxin).

Lupus erythematodes

Der Lupus erythematodes befällt die Haut, Organe und Gefäße, welche sich entzünden. Es kommt zur Ablagerung von Immunkomplexen. Im Jahr gibt es 5-10 Neuerkrankungen pro 100000 Personen, bei den wenigsten handelt es sich dabei um systematischen Lupus. Auch hier erkranken Frauen im Verhältnis 10:1 häufiger als Männer. Die Tätigkeit der Lymphozyten ist vermindert, es wird körpereigene DNA angegriffen. Symptome sind unter anderem Lichtempfindlichkeit Geschwüre Haarausfall Kopfschmerzen Krampfanfälle und Psychosen. Auch kann es zu  Nierenbeteiligung , einem Herzbeutelerguss, Arteriosklerose und Thrombosen kommen. Lupus wird unter anderem über Antikörperbestimmungen und Ultraschall diagnostiziert. Die akut kutane Verlaufsform, bei der meist nur die Haut befallen ist, wird mit Salben und Steroiden behandelt – auch die chronisch diskoide Form im  Gehirn verläuft relativ gutartig. Der systemische Lupus jedoch befällt die inneren Organe. Therapiert wird mit Antirheumatika, Cortison, Immunmodulatoren, Lichtschutz und Immunsuppressiva . Eine Korrektur der Risikofaktoren ist überaus wichtig, ebenso ist eine Osteoporose- Prophylaxe zu empfehlen.

Zusammenfassung: Amelie Weydringer

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