Erfahrung: Neurodermitis und das Tote Meer

Ich weiß, es ist schon ziemlich spät, um über eine Therapie zu schreiben, die schon mehr als ein halbes Jahr her ist. Aber erst jetzt merke ich, dass der erneute Versuch, meine Neurodermitis zu lindern, nicht umsonst war.

Seit meiner Geburt leide ich an Neuro, als Kind am ganzen Körper, seit dem Teenageralter vor allem im Gesicht, aber auch an den typischen Stellen, wie Kniekehlen und Armbeugen. Am schlimmsten betroffen ist aber wie gesagt vor allem mein Gesicht, was einerseits belastend ist, weil man es nicht verdecken kann, andererseits aber auch gut ist, weil jegliche Bedeckung bei schlimmer Haut meistens nur noch mehr Juckreiz verursacht.
Ich habe eigentlich fast alle Therapien ausprobiert – zumindestens fühlt es sich so an. Als Kind habe ich mich meist „Versuchskaninchen“ genannt, denn an mir wurde – fühlbar – jede neue Creme für Neuro oder empfindliche Haut getestet. Seit ich 6 bin, bin ich jedes 4. Jahr meines Lebens allein in Kur, zusätzlich habe ich Badetherapien, Lichttherapien, Akupunktur, psychologische Betreuung, Ernährungstherapie, Lasertherapie (Optomed – BITTE DIE FINGER DAVON LASSEN!!!) Homöopathie (was allerdings als einzige Therapie Erfolg hatte, aber auf Dauer nicht mit meinem Alltag machbar war) und vieles andere ausprobiert, ohne großen und vor allem langfristigen Erfolg.

Das gleiche Ergebnis dachte ich nun auch nach meinem 3wöchigen Aufenthalt am Toten Meer gehabt zu haben, denn nachdem meine Haut zum Ende des Aufenthalts sehr gut war, wurde sie in Deutschland schnell wieder schlechter, was für mich ein Zeichen war, dass es sich wieder einmal nur um eine kurzfristige Verbesserung handelte.
Jetzt bin ich da allerdings anderer Meinung.
Ich habe meinen Jordanien-Aufenthalt am 14.Juni beendet und habe bis heute – den 20. Dezember – fast KEINE schlechte Haut gehabt. Natürlich war meine Haut in diesem halben Jahr nicht durchweg beschwerdefrei, aber ich habe noch NIE so lange so angenehm gelebt – und das in einer Jahreszeit, die von Wetterumschwüngen geprägt ist, wofür meine Haut normalerweise sehr anfällig ist.
Aber nachdem wir das Fazit quasi schon gezogen haben, möchte ich noch näher auf meine Reise an das berühmte Tote Meer erzählen:
Ich bin gemeinsam mit der Selbsthilfegruppe für Psoriasis geflogen und war mit meiner Neurodermitis und meinem Alter deutlich in der Unterzahl. Trotzdem muss ich sagen, dass es gut tat, einmal Menschen kennenzulernen, die meine Symptome nicht nur verstehen, sondern nachempfinden konnten. Ich selbst habe nämlich keine Bekannten, die eine Hautkrankheit haben, zumindestens nicht in vergleichbarer Intensität.
Zum Abreisedatum sah ich eigentlich aus wie neu – keine rote Haut, nicht einmal ein Ansatz von Reizung – ich habe im Nachhinein gehört, dass manche am Flughafen dachten, ich wäre lediglich die Reisebegleitung – naja, schön wärs.
In Jordanien angekommen verschrieb mir der Arzt erst einmal strenges Badeverbot und Schattenruhe – nur einmal ganz früh am morgen (halb 7) durfte ich mich für 5 Minuten in die Sonne legen. Ich dachte, er würde es schon wissen, und es hörte sich auch logisch an, denn man selbst hat nicht das Bedürfnis bei 50°C im Schatten in der Sonne zu liegen, erst recht nicht, wenn die Haut schlechter wird und selbst schon ganz heiß ist, was bei mir nach ca 4 Tagen eintraf.
Ich hatte zwar mit der Erstverschlimmerung gerechnet, denn das hatte ich schon von vielen gehört, aber überrascht war ich von der Behandlung des Arztes: Zuhause wurde mir geraten, ich solle 3 Wochen vor Reisebeginn das Cortison absetzen, in Jordanien wurde mir dann gegen die Erstverschlimmerung Cortison gegeben. Zwar nur in geringer Menge aber verwirrt hat es mich trotzdem. „Egal, der Arzt arbeitet so lange unter diesen Klimabedingungen mit Hautpatienten, er wird schon wissen, was er tut.“ Also, nicht lange nachgedacht, Cortison an Tag 5 geschmiert und an Tag 7 sah ich top aus. Nur leider nicht sehr lange.
Während ab der zweiten Woche bei eigentlich allen Mitreisenden wenigstens eine leichte Verbesserung eintraf, kam es bei mir mit dem allseits bekannten Rebound-Effekt noch dicker als zuvor. Ein kräftiger Schub machte meine Haut zunichte und meine Psyche spielte verrückt. „Warum haben alle eine Verbesserung, nur ich nicht???“ Es fühlte sich einfach unfair an. Trotzdem. Bade- und Sonnenverbot erschienen mir immer noch sinnvoll. Ich war zwar mit meiner zwischenzeitlich guten Haut einmal kurz ins Tote Meer schweben gegangen, hielt es aber mit meiner vermeintlich guten Haut keine Minute darin aus, es war einfach ZU brennend!! Also, morgens 5 Minuten Sonne, danach Schatten…
An Tag 14 brach ich dann völlig zusammen. Viele waren mittlerweile fast beschwerdefrei, nur ich sah wesentlich schlimmer aus als beim Abflug. Schlechter konnte es mir gar nicht gehen.
Aber dann, der verrückte Lichtblick. Beim Frühstück spricht mich eine österreichische Neurodermitikerin an und erzählt, sie würde das zweite Mal da sein und würde nicht nach Ansage des Arztes handeln, sondern sich stumpf den ganzen Tag in die pralle Sonne legen. Bei mittlerweile 56°C im Schatten! „Hirngespinste!“, hab ich mir am Anfang gedacht, denn warum soll ich mich zusätzlich zur eigenen Körperhitze durch den Schub noch der Sonne aussetzen.

 

Aber andererseits hatte ich auch nix zu verlieren. Meine Haut war eh schon schlecht und ich hatte nur noch 5 Tage Zeit! Drei Tage nach meiner Ankunft zurück in Deutschland war mein Abiball und wenn ich mit schlechter Haut wiederkomme, dann benutze ich eh Cortison, das hatte ich mir zuvor geschworen!
Also habe ich es einfach gemacht. Am Montag, dem ersten Sonnentag habe ich nachmittags angefangen und es war eine Tortur! So eine Hitze! Abends hatte ich kein verändertes Gefühl. Am nächsten morgen auch nicht und nach einem weiteren tag in der Sonne hatte ich sogar das Gefühl, es wäre schlimmer geworden. „Egal, sie hat gesagt, das kann am Anfang sein, also weitermachen!“. Am dritten Tag spürte ich wieder keine Veränderung, am vierten eine leichte, und am fünften: Hexhex, pengpeng, alles weg. „Oh mein GOTT!!!! Wie kann das denn sein???“ Es war einfach unglaublich! Ich hatte das Gefühl ich könnte mich vor den Spiegel stellen und meiner Haut beim heilen zugucken. Es war einfach unglaublich!
Nachdem ich vierzehn Tage lang nur geweint habe, mich verflucht habe, wieder einmal Hoffnung geschöpft zu haben, die sich nicht erfüllt, wurde mir am 5. Tag das Gegenteil bewiesen.Es war einfach gigantisch, beim Abiball mit total toller, makelloser Haut zu sein und dabei zu wissen, dass man kein Cortison gebraucht hat! Unglaublich…
Naja, wie gesagt, kam kurz danach aber leider schon wieder die Ernüchterung, als meine Haut wieder in den Normalzustand überging, ein Zustand in dem kontinuierlich leichte Beschwerden da sind, an die man sich zwar gewöhnt, die aber trotzdem nicht gerade angenehm sind.
Heute, ein halbes Jahr später, sehe ich die ganze Sache allerdings schon wieder anders. Wie gesagt, noch nie war meine Haut über einen so langen Zeitraum so gut. Vor allem nicht im Winter. Aber ich bin überzeugt, dass das Tote Meer seinen Teil dazu beigetragen hat!
Vielleicht war der Rückfall in Deutschland einfach nur ein erneuter Gewöhnungsprozess an das hiesige Klima, es herrschten zumindestens 30°C Unterschied.
Ich weiß es nicht, fest steht nur, dass dies nicht mein letzter Aufenthalt am Toten Meer war! Wenn alles klappt, dann fliege ich nächstes Jahr noch einmal hin, ansonsten bestimmt das darauffolgende.
Vielleicht ist das Tote Meer nicht eine Methode, die allen Neurodermitikern hilft, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert! Und vielleicht habt ihr ja auch eine so tolle Krankenkasse wie ich, die sogar als gesetzliche eine solche Kur übernimmt!
Einen Tipp zum Schluss: Auch wenn das Tote Meer Badesalz aus dem DM nicht geholfen hat, so ist das schlichtweg kein Vergleich, denn ich war meinen ganzen Aufenthalt nur 2 mal im Wasser und ich denke vielmehr, dass das Klima, das wichtigste in dieser Therapie ist!

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