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Vitiligo-Information 3/2007

Medizinische Szene

Was gibt es neues?

 

PD Dr. med.

Markus Böhm

G elbwurz – Triggerfaktor

für die Vitiligo?


Gelbwurz (indischer Safran, gelber

Ingwer, chinesische Wurzel, Turmerik)

ist ein häufig verwandtes Gewürz

(zum Beispiel im Curry) und ein Farbstoff

für die Speisenzubereitung im orientalischen

und asiatischen Raum. Gelbwurz

wird im asiatischen Raum darüber

hinaus als Bestandteil von Kosmetika

(zum Beispiel zur Hautaufhellung) sowie

zu traditionellen und medizinischen

Zwecken für die äußerliche Applikation

benutzt. In Deutschland findet es zur

Nahrungszubereitung ebenfalls zunehmende

Verbreitung. Zentraler Inhaltsstoff

von Gelbwurz ist Curcumin, ein als

sekundärer Pflanzenstoff bezeichnetes

Polyphenol.

Schallreuter und Rokos konnten in einer

rezenten Untersuchung zeigen, dass die

topische Applikation von Curcumin sowohl

bei gesunden Probanden (n=3) als

auch bei Patienten mit akuter Vitiligo

(n=3) zu einer Anreicherung reaktiver

Sauerstoffspezies (ros) inklusive Hydrogenperoxid

in der Epidermis führt.

Interessanterweise war die Curcumininduzierte

Anreicherung von ros bei

den Vitiligopatienten höher, was auf deren

reduzierte epidermale Aktivität von

Katalase, dem zentralen Entgiftungsenzym

von Hydrogenperoxid, zurückzuführen

sein könnte. In einer daraufhin

initiierten kleineren Fallserie von acht

asiatischen Vitiligopatienten mit traditionell

hohem Verbrauch an Gelbwurz

in der Nahrung und fehlendem Ansprechen

auf eine Kombinationstherapie mit

UVB-Schmalband- und Pseudokatalase

(pc-kus) wurde sodann der Effekt einer

Gelbwurz-Karenz in der Nahrung für

sechs Monate bei der obigen Therapie

geprüft. Alle acht Patienten zeigten eine

deutliche Verbesserung ihres Ansprechens

auf die uvb-Schmalband- und

Pseudokatalase-Therapie, wobei sechs

Patienten eine nahezu komplette Repigmentierung

im Gesicht erzielten.

Die von Schallreuter und Rokos gemachten

Beobachtungen sind überraschend,

da zahlreiche Veröffentlichen

antioxidative Effekte von Curcumin belegen.

So unterdrückt Curcumin in vitro

die Lipidperoxidation durch oxidative

Noxen. Aufgrund seiner vielfältigen

biologischen Eigenschaften (unter anderem

Unterdrückung von Entzündungsreaktionen,

anti-proliferative Eigenschaften,

Effekte auf die Wundheilung)

wird Curcumin in letzter Zeit auch bei

zahlreichen Erkrankungen propagiert.

Es bleibt abzuwarten inwieweit die oben

beschriebenen Ergebnisse, die sich auf

eine Reduktion der Katalase-Aktivität

nach Applikation von Curcumin von

außen beziehen, auch für die perorale

Aufnahme von Gelbwurz als Gewürz

oder Farbstoff wirkliche Relevanz besitzen.

Curcumin wird vom Menschen

nach peroraler Aufnahme nicht in relevanten

Mengen resorbiert. Zumindest

ist Vorsicht vor einem unreflektierten

oder exzessiven Gebrauch von Gelbwurz

bei Patienten mit Vitiligo geboten.

Literatur

Schallreuter, K.U.S., Rokos, H. Turmeric (curcumin):

a widely used curry ingredient, can

contribute to oxidative stress in asian patients

with acute vitiligo. Ind. J. Dermatol. Venereol.

Leprol. 2006; 72: 57–59

Biologics und Vitiligo

Biologics haben mittlerweile bei verschiedenen

entzündlichen Erkrankungen

wie der rheumatoiden Arthritis,

dem M. Crohn, M. Bechterew und der

Psoriasis-Arthritis einen festen Stellenwert

im therapeutischen Repertoire und

sind besonders bei schweren und therapie-

refraktären Fällen von großem Nutzen

für die betroffenen Patienten. Typischerweise

werden diese Biologics ein

bis zweimal pro Woche oder in größeren

Abständen (alle zwei Wochen) subkutan

oder intravenös verabreicht, was

für die Patienten einen erheblichen Vorteil

darstellt. Biologics sind jedoch im

Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten

überaus kostspielig und erfordern

immer genaue Voruntersuchungen

des Patienten, ob System- oder Infektionskrankheiten

inklusive einer latenten

Tuberkulose nicht vorliegen. Biologics

finden mittlerweile innerhalb der Dermatologie

eine zunehmende Anwendung,

in erster Linie bei der Behandlung

der Psoriasis. Ein Erfolg versprechendes

Zielmolekül ist hierbei das proinflammatorische

Zytokin Tumor-Nekrose-Faktor-

a (tnf-a), welches durch Biologics

wie Etanercept, Infliximab oder Adalimumab

gebunden und so in seiner entzündungsfördernden

Wirkung neutralisiert

wird.

Da in der Haut von Patienten mit Vitiligo

proinflammatorische Moleküle wie

tnf-a vermehrt exprimiert sind und in

ihrer Menge offenbar durch eine wirksame

Vitiligo-Therapie (zum Beispiel

mit topischen Calcineurin-Inhibitoren)

reduziert werden, liegt es sehr nahe Anti-

tnf-a-Therapie-Strategien bei der

Vitiligo auszuloten. Zudem ist bekannt,

dass tnf-a die Melanogenese (Pigmentbildung)

unterdrückt und auch zu einer

intrazellulären Anreicherung von ros

führt. Da ros eine zentrale Rolle bei

der Pathogenese der Vitiligo spielen, ist

es denkbar, dass Anti-tnf-a-Therapie-

Strategien über eine Verminderung der

Menge von ros Repigmentierung vermittelt.

In einer Pilot-Untersuchung von vier Patienten

mit akuter Vitiligo und Progredienz

der Erkrankung während der letzten

drei Monate wurde jüngst das Potenzial

einer Monotherapie mit Etanercept

getestet. Alle Patienten hatten eine

Erkrankung, die weniger als ein Jahr bestand.

Etanercept wurde in einer Dosis

von 50 mg/Woche für drei Monate, sodann

25 mg/Woche für einen weiteren

Monat verabreicht. Der Grad der Ausbreitung

wurde digital-photographisch

dokumentiert und mittels einer Computer-

Software analysiert. Bei allen Patienten

kam es zu keiner weiteren Progression

der Erkrankung, allerdings

auch zu keiner Repigmentierung.

Diese Daten sind bezüglich der Effizienz

von Etanercept als Monotherapie eher

enttäuschend. Einschränkungen zur Beurteilung

zur Wirkung von Etanercept

bei Vitiligo ergeben sich natürlich aus

der viel zu geringen Fallzahl, der zu geringen

Therapiedauer und der womöglich

insuffizienten Dosis der obigen Studie.

Ob eine Neutralisierung des tnf-a-

Signalweges zudem alleine ausreicht, eine

Repigmentierung zu induzieren, erscheint

unwahrscheinlich. Zukunftsperspektiven

ergeben sich unter Umständen

aus der Kombination von Anti-

a-tnf-Biologics mit einer der bereits

etablierten Vitiligotherapien.

Literatur

Rigopoulos, D., Gregoriou, S., Larios, G., Moustou,

E., Belayeva-Karatza, E., Kalogeromitros,

D. Etanercept in the treatment of vitiligo. Dermatology

2007; 215: 84-85

 

UVB-Schmalband und

Polypodium leucotomus

Die uvb-Schmalband (311 nm)-Therapie

kann trotz der Limitationen aller bisher

publizierten Studien bei der Vitiligo als

eine etablierte Standard-Therapie angesehen

werden. Neuere Studien belegen

eine überlegende Wirkung dieser Therapie

auch gegenüber der systemischen

Phototherapie, die überdies ein größeres

Nebenwirkungspotential hat. Bei Erwachsenen

mit generalisierter Vitiligo

ist somit die uvb-Schmalband Therapie

die erste Wahl.

Pseudopodium leucotomus ist ein tropisches

Farnkraut, dessen Extrakt zahlreiche

interessante photobiologische

Wirkungen in vitro und in vivo besitzt.

So konnte gezeigt werden, dass die topische

oder perorale Applikation des

Extraktes die Entwicklung eines uvb-

Erythems beziehungsweise phototoxische

Reaktionen nach Gabe von 8-Methoxypsoralen

und uva hemmt. Mechanistisch

bewirkt der Extrakt von Pseudopodium

leucotomus unter anderem

eine Hemmung der intrakutanen Anreicherung

von ros und peroxidierter Lipide.

In Fibroblasten und Keratinozyten

unterdrückt der Extrakt außerdem die

uv-induzierte Expression von Matrix-

Metalloprotease-1, einem Schlüsselregulator

der Hautalterung. Darüber hinaus

besitzt der Extrakt von Pseudopodium

leucotomus Eigenschaften auf die so

genannte Th1/Th2-Balance, die die Entzündungsantwort

orchestriert und auch

bei verschiedenen Erkrankungen wie

dem atopischen Ekzem verschoben ist.

In einer kürzlich publizierten randomisierten

kontrollierten Therapiestudie

von fünfzig Patienten mit Vitiligo

vulgaris wurde nun die Wirkung einer

Kombination von uvb-Schmalband

(zweimal pro Woche) und peroral verabreichtem

Pseudopodium leucotomus-

Extrakt dreimal 250 mg pro Tag über 25

bis 26 Wochen von W. Westerhof und

Mitarbeitern, Amsterdam, untersucht.

Signifikante Verbesserungen im Ausmaß

der Repigmentierung zeigten sich

im Behandlungsarm der Patienten mit

Einnahme des Farnkrautextraktes erst

nach Erreichen von achtzig Prozent

der erforderlichen uv-Schmalband-

Sitzungen, und zwar im Gesichts- und

Halsbereich, nicht jedoch in an den übrigen

befallenen Körperstellen inkl. der

besonders hartnäckigen Akren. Die Effekte

von Pseudopodium leucotomus-

Extrakt waren besonders akzentuiert bei

Patienten mit Hauttyp 2 und 3. Diese

Studie belegt, dass der Extrakt von Pseudopodium

leucotomus die Effizienz einer

uvb-Schmalbandtherapie bei ausgewählten

Vitiligopatienten erhöht, nicht

aber die Repigmentierungsrate in den

klassischen Problemzonen wie Hand-

und Fußrücken.

Literatur

Middelkamp-Hup, M., Bos, J., Rius-Diaz, F.,

Gonzalez, S. Westerhof W. Treatment of vitiligo

vulgaris with narrow-band uvb and oral Polypodium

leucotomos extract: a randomized

double-blind placebo-controlled study. J. Eur.

Acad. Dermatol. Venereol. 2007; 21: 942–950

Quelle : Deutscher Vitiligo  Verein e.V.

 

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