Behandlung der Neurodermitis PDF Drucken E-Mail
Beschwerden von Neurodermitis gehen manchmal auch einher mit Gicht, Rheumatismus und Allergien. Ursache ist oft ein Pilzbefall des Darmes, damit einhergehend eine Verdauungsstörung und eine allgemeine Schwächung des Immunsystems.

Bei einem Teil der Betroffenen konnte auch ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Neurodermitis und einer Nahrungsmittel- oder Tierhaarallergie beobachtet werden. Deutliche Hinweise bestehen auch auf eine Miteinbeziehung des vegetativen Nervensystems (welches die nicht bewusst steuerbaren Funktionen, wie Verdauung, Herzschlag etc. reguliert). Dieser Aspekt erklärt u.a., warum Betroffene bei Stress zu Ausschlagsschüben oder Verdauungsproblemen neigen.


Behandlung


Ebenso wie die Ursachen sind auch die angewandten Behandlungsformen sehr vielfältig. Insgesamt kann festgestellt werden, dass es viele Möglichkeiten der Behandlung gibt, deren Erfolg von Fall zu Fall erprobt werden kann. Da offenbar unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen, sollte die parallele Anwendung in Betracht gezogen werden.


Medikamentöse Therapien


Gegen die Entzündung der Haut und den damit verbundenen Juckreiz stehen diverse Medikamente in Form von Salben, Cremes und Lotionen zur Verfügung.

Zur Linderung wird die Neurodermitis vielfach mit Kortison behandelt. Es wirkt gegen Juckreiz und Entzündung der Haut und kann schwere Schübe lindern oder bei rechtzeitiger Anwendung vermeiden. Kortison wird meist in Form von Salben oder Cremes auf die betroffenen Stellen aufgetragen. Nur bei sehr schweren Schüben kommt eine orale Gabe von Tabletten in Frage. Kortison kann allerdings eine Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen bewirken, so dass es meist nur für kurze Zeit z.B. bei akuten Schüben angewandt werden soll. Zu Nebenwirkungen zählen Hautverdünnung, Streifenbildung, ähnlich Schwangerschaftsstreifen, sowie partielle Unterdrückung des örtlichen Immunsystems. Bei langer Anwendung starker Präparate können sogar Nebenwirkungen auftreten, die den gesamten Organismus betreffen (z.B. Leberschädigungen). Die Kortisonpräparate wurden seit den 50er Jahren ständig weiterentwickelt, so dass mittlerweile die sogenannte 4. Generation von Kortisonwirkstoffen vorliegt. Diese Präparate (z.B. Advantan) haben bei hoher Wirksamkeit ein geringeres Risiko von Nebenwirkungen als die älteren Wirkstoffe. Dies heißt jedoch nicht, dass die Medikamente ständig angewendet werden dürfen: Nebenwirkungsfrei sind auch die neuen Wirkstoffe keineswegs. Problematisch ist, dass die Hauterscheinungen nach Absetzen der Kortisoncremes häufig wieder auftreten, so dass die Betroffenen wieder mit Kortison behandeln (sog. Reboundeffekt). Zudem kommt es bei den Kortisonpräparaten zur sog. Tachyphylaxie, d.h. einer Wirkabschwächung der Präparate mit zunehmendem Gebrauch.

Seit kurzem verfügbare Immunsuppressiva in Form einer Salbe (z.B. Protopic) bzw. Creme (Elidel, Douglan) auf Basis von sekundären Pilzmetaboliten (Substanz: Tacrolimus bzw. Pimecrolimus) ermöglichen vielen Patienten eine Beschwerdefreiheit ohne Kortison. Die neuen Medikamente wirken als sogenannte Calcineurinhemmer und unterdrücken das lokale Immunsystem der Haut, jedoch deutlich selektiver als Kortisonpräparate. Sie hemmen die Entzündung und die Ekzeme heilen ab.

Aufgrund der immununterdrückenden Wirkung sind geeignete Sonnenschutzmaßnahmen bei Anwendung angeraten. Zudem kommt während des Anwendens einer der genannten Präparate eine Behandlung mit UV-Licht nicht in Frage. Sehr selten kommt es auch zu nicht unerheblichen Nebenwirkungen wie Hautinfektionen und Unverträglichkeitsreaktionen. In der medizinischen Fachpresse werden diese Wirkstoffe zurzeit kritisch hinterfragt. Kritik wurde erstmals von der FDA im Jahr 2005 geäußert, da Langzeitstudien noch ausstehen und in Tierversuchen ein erhöhtes Krebsrisiko auftrat. Ob die Herstellerempfehlung, die Produkte sehr frühzeitig und mittelfristig bis langfristig, teils sogar vorbeugend einzusetzen vor diesem Hintergrund weiter bestehen bleiben darf, bleibt abzuwarten. Zuletzt wurde von der EMEA versucht, einen Zusammenhang zwischen der Anwendung der Calcineurinhemmer und dem Auftreten von Krebserkrankungen zu untersuchen. Bisher ist weiterhin unklar, ob diese Substanzen in kausalem Zusammenhang zu den Erkrankungen stehen. Die EMEA schränkt den Gebrauch mittlerweile allerdings auf Fälle ein, bei denen ein ausreichender Therapieerfolg mit anderen Mitteln, vor allem Glucocorticoiden, nicht zu erreichen ist, oder die Nebenwirkungen eine Glucocorticoid-Therapie nicht zulassen.

Das Cyclosporin A ist ebenfalls ein Stoffwechselprodukt eines Pilzes; es ist als systemisch eingesetztes Medikament schwersten Neurodermitisformen vorbehalten, die sich oft rasch auf eine Therapie mit Cyclosporin A zurückbilden. Die wichtigsten Nebenwirkungen dieser Therapie entsprechen denen aus der Transplantationsmedizin, in denen es ebenfalls eingesetzt wird: Blutdruckerhöhung, Nierenschädigungen, Induktion von Malignomen aber auch Zahnfleischwucherungen.


Ekzem
Ekzem

Ein wichtiger Aspekt in der Therapie der Neurodermitis ist die Kontrolle der oft übermäßigen Besiedelung durch Staphylococcus aureus. Dies geschieht heute vorzugsweise durch die Anwendung von Triclosan als Oberflächendesinfizienz, Chlorhexidin, aber auch durch Fusidinsäure, einem Antibiotikum. Einigen Betroffenen hilft in diesem Zusammenhang auch das Tragen von silberhaltigen Textilien.

Als weitere Wirkstoffe stehen zur Verfügung Gerbstoff-Präparate, die sogenannten Tannine, die leicht antientzündlich wirken, einen milden eiweißfällenden, und damit desinfizierenden Effekt haben.

Schieferöl-Präparate, wie Leukichthyol, wirken auch mild antientzündlich, und stehen nicht wie die teilweise noch verwendeten Teer-Präparate im Verdacht krebsauslösend zu sein. Nachteilig ist hier, dass auch modernere Zubereitungen nicht geruchsneutral sind.

Die Gruppe der Antihistaminika wirkt bei Neurodermitis nur bei einer vergleichsweise geringen Anzahl an Patienten in befriedigendem Maße juckreizlindernd. Häufig steht der müdemachende Effekt der Antihistaminika, der auch bei moderneren Präparaten auftreten kann, im Vordergrund. Man setzt dies gerne bei Kindern ein, damit sie leichter einschlafen können und sich so weniger kratzen müssen. Eine sinnvolle Behandlung stellt die kombinierte Einnahme eines nicht sedierenden Antihistaminikums am Morgen (z.B. ein Fexofenadin wie Telfast) und eines sedierenden Antihistaminikums am Abend (z.B. ein Hydroxyzin wie Atarax) dar.

Bei vielen Neurodermitispatienten erweist sich die Anwendung von ägyptischen Schwarzkümmelöl (Einnahme und äußerliche Anwendung) als hilfreich durch Immunsystem stabilisierende, entzündungshemmende, antimikrobielle und juckreizmildernde Wirkung; bei einem Teil der Patienten bis hin zum Verschwinden der Symptome.

Innerlich kann auch die Zufuhr von Gamma-Linolensäure helfen. Laut Pütz u.a. sollten dabei 12 bis 12,5 mg Gamma-Linolensäure pro Tag pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen werden. Diese Fettsäure findet sich im Borretschsamenöl, Johannisbeerkernöl und Hanföl. Die gebräuchlichste Darreichungsform ist aber das Nachtkerzensamenöl. Kapseln zur inneren Anwendung gibt es in der Apotheke.

Bei einigen Betroffenen ist auch das Gel der Pflanze Aloe Vera hilfreich.

Patienten mit atopischer Dermatitis haben oft eine deutlich positive Tendenz für Cardiospermum (dt. Ballonrebe)-Präparate.
Sollten die Juckreizschübe mit einer innerlichen Unruhe einhergehen, kann die Gabe von Magnesium sehr hilfreich sein.

Reize meiden

Gerade kurzfristig und bei akuten Symptomen ist es notwendig, äußere Reize so weit es geht zu vermeiden. Dazu gehört neben der Meidung heißer und kalter Temperaturen, von Nässe oder Reibung auch das Tragen schonender Kleidung. Empfehlenswert sind reine Baumwolle und regelmäßiges Waschen mit nur wenig Waschmittel und ohne Weichspüler.


Tägliche Körperpflege


Der typische von Neurodermitis Betroffene hat eine trockene Haut, die einer entsprechenden Pflege bedarf. Hierzu gehört das nur kurze, lauwarme Duschen oder Baden. Je kürzer desto besser. Zu heißes oder warmes Wasser sind sehr schlecht und fördern die Entstehung von Neurodermitis, kaltes Wasser dagegen kann die Symptome mildern. Einige Spritzer Sesamöl oder reines Schwarzkümmelöl (zur Einnahme oder zur Herstellung von Salben) im Badewasser können der Haut helfen, sich zu regenerieren. Harnstoffhaltige Präparate (auch als Duschfluid) helfen oft ebenfalls, die charakteristische Trockenheit der Neurodermitishaut zu reduzieren. Die Haut von Neurodermitiskranken weist eine signifikant niedrigere Konzentration von Harnstoff auf, welcher als wichtigster Feuchthaltefaktor fungiert. Harnstoff kann insbesondere bei ohnehin schon gereizter oder rissiger Haut zu weiteren Reizungen führen (es werden Konzentrationen bis zu 12% verwendet). Bei Kindern sollten daher Konzentrationen zwischen 3 und 5% bevorzugt werden.
Das Abtrocknen sollte eher ein vorsichtiges Abtupfen der Haut sein, um reizende Reibungen zu vermeiden.

Andere Quellen sprechen davon, die Haut nicht allzu oft zu waschen und wenig Reinigungspräperate zu verwenden (also z.B. nur klares Wasser oder seifenfreie Duschmittel), um die natürlichen Hautfunktionen durch das ständige Waschen nicht zu sehr zu beeinträchtigen.


Krankheitsbild


Neurodermitis, endogenes bzw. allergisches Ekzem oder atopische Dermatitis, ist eine Hautkrankheit. Sie ist gekennzeichnet durch Ekzeme, Juckreiz und sehr trockene Haut. Neurodermitis tritt in Schüben auf, zwischen denen relativ beschwerdefreie Intervalle liegen können. Die chronische Erkrankung ist nicht ansteckend. Neurodermitis gilt als nicht heilbar im medizinischen Sinne. Der Betroffene kann in vielen Fällen Symptomfreiheit erreichen.

Soziale Folgen


Das quälendste an der Neurodermitis ist der Juckreiz. Willentlich lässt sich das Kratzen kaum unterdrücken. Häufig juckt es abends oder nachts, was zu Schlafstörungen führt. Die Betroffenen und oft auch die Angehörigen leiden manchmal über Wochen unter Schlafmangel. Übermüdung, Gereiztheit und manchmal auch Scham über das Aussehen können zu Problemen in der Familie und im Beruf führen.

Häufigkeit


In der Bundesrepublik sind zwischen 3,5 und 5 Millionen Menschen Neurodermitiker. Die Häufigkeit nimmt zu. Etwa jeder 5. bis 10. Schulanfänger ist betroffen, wobei Lebensführung und Umweltbelastung zu örtlichen Schwankungen führen können. Am häufigsten tritt Neurodermitis erstmals bei Babys und Kleinkindern auf.

Ursachen


Auf äußere oder innere Reize mit Neurodermitis zu reagieren, ist angeboren und vererblich; die Symptome können auch ein Leben lang ausbleiben. Ist eine erbliche Belastung bekannt, wird zur Vorbeugung empfohlen, dass Babys gestillt und keinem Tabakrauch, Kontakt zu Haustieren und aggressiven Körperpflege- sowie Reinigungsmitteln ausgesetzt werden. Übertriebene Hygiene gilt eher als nicht sinnvoll.

Auslöser


Viele Neurodermitiker haben Allergien, z.B. gegen Pollen, Hausstaubmilben oder Nahrungsmittel. Diese Stoffe können dann einen Neurodermitis-Schub auslösen. Weitere mögliche Auslöser sind Stress, psychische Spannung und Umweltfaktoren. Die Beteiligung von Pilzinfektionen im Darm oder von Amalgam wird kontrovers diskutiert.

Therapie


Neurodermitis ist eine sehr individuelle Krankheit, daher muss bei jedem Betroffenen individuell nach Auslösern und Therapiemöglichkeiten gesucht werden, um Symptomfreiheit zu erreichen. Zum Einsatz kommt dabei das gesamte Spektrum der Therapien - von der Schulmedizin bis zu "alternativen Verfahren", von der Psychotherapie bis zur Ernährungsberatung. Zunehmend wird auch über Neurodermitis-Schulung das Umgehen mit der Krankheit und die Prävention für die Betroffenen und deren Angehörige vermittelt.

Allgemein gilt: ambulant und wohnortnah vor stationär und wohnortfern.

Vier Phasen bis zur Symptomfreiheit

Nach unseren Erfahrungen machen viele Neurodermitiker im Laufe ihrer Erkrankung vier Phasen durch.

(1) Wenn die Neurodermitis erstmals auftritt und der Betroffene sowie seine Angehörigen vom Teufelskreis zwischen Juckreiz und Kratzen überrascht werden, entsteht häufig ein hoher Leidensdruck. Gleichzeitig besteht in dieser Phase ein großes Informationsbedürfnis.

(2) Nach einiger Zeit wurden meist viele Therapien versucht, die aber nicht oder nicht so schnell wie gehofft den erwünschten Erfolg gebracht haben. In dieser Phase der Enttäuschung aufgrund nicht richtig helfender Mittel und Hilfsmittel suchen viele Betroffene nach neuen Möglichkeiten, schwanken zwischen Hoffnung und Enttäuschung.

(3) Manche Betroffene versuchen dann, in sich selbst Wahrheit zu finden. Sie ziehen eine Bilanz aus den bisher angewendeten Therapien und versuchen, aus ihrem Körper und ihrer Haut Antworten abzulesen und Eigenverantwortung für die Erkrankung zu übernehmen.

(4) Letztlich kann der Betroffene zu einem Leben in eigener Regie gelangen (Krankheits-Self-Management). Das kann in einem Fall heißen, dass die ersehnte Symptomfreiheit erreicht wurde. Im anderen Fall kennt der Betroffene seine Haut selbst so gut, dass er genau weiß, welches Hilfsmittel oder welche Behandlung sie wann braucht. Auch Kinder können diese Selbständigkeit erreichen. In allen Phasen bieten die Informationen durch den DNB und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch in Selbsthilfegruppen eine wertvolle Krankheitsbegleitung.

Wir danken dem DNB für die Überlassung des Textes

Weiterführende Informationen


Deutscher Neurodermitis Bund e.V.
Spaldingstraße 210
20097 Hamburg
Tel.: 040/230810
Fax: 040/231008
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Websites: http://www.dnb-ev.de und http://www.hautfreund.de

 
© 2002 - 2012: Selbsthilfegruppe für Psoriasis und Neurodermitis | Ostheim v. d. Rhön