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Unterschied von Salben, Cremes und Lotionen (Vortrag von Apothekerin Andrea Findeisen)
Definition von Salben im DAB : Salben sind halbfeste Zubereitungen, die zur Anwendung auf der Haut oder einigen Schleimhäuten bestimmt sind. Sie sollen eine lokale Wirkung ausüben, Wirkstoffe perkutan
zur Resorption bringen oder eine erweichende oder schützende Wirkung auf die Haut ausüben und haben ein homogenes Aussehen. Bevor ich jetzt genauer auf das eigentliche Thema eingehe möchte ich Ihnen kurz den Aufbau und die verschiedenen Funktionen der Haut erklären. Die Haut - die Haut überzieht den gesamten Körper und ist somit unser größtes menschliches Organ - - sie nimmt eine Fläche von 2m ein und wiegt zwischen 8 und 20 kg ( das ist ca. 1/6 unseres Körpergewichtes ) - - Sie ist ein mehrschichtiges Organ ; man unterscheidet : - - Oberhaut ( = Epidermis ) mit Haaren, Nägeln, Drüsen; Hauptbestandteil: Hornzellen - Lederhaut ( = Dermis ) v.a. Bindegewebe - Unterhaut ( = Subcutis) großer Anteil an Fettzellen - jede dieser Schichten hat wichtige Aufgaben und Funktionen: - - Sie ist zum einen Grenzorgan - - Sie schützt vor äußeren schädlichen Faktoren, wie Infektionen durch Keime aber auch vor Strahlenschäden - - Sie ist beteiligt an der Regulation der Körpertemperatur (Verdunstung des Schweißes) - - Sie ist ein wichtiger Wasserspeicher (Wassergehalt der obersten Hautschicht 10-20%) - - Sie ist ein Sekretionsorgan, sie gibt z.B. Schweiß und Fett ab - - Sie ist ein Kontakt- und Sinnesorgan. Sensoren in der Haut leiten Druck- Temperaturoder Schmerzreize weiter, so dass lebensnotwendige Informationen verarbeitet werden. Hier sehen Sie jetzt einmal den Aufbau der Haut mit den drei Schichten : Oberhaut, Lederhaut und Unterhaut. Oberhaut: besteht v.a. aus Hornzellen, Zellen für Pigmentbildung, für das Immunsystem und Nervenzellen Lederhaut: hat Blutgefäße, ernährt die Oberhaut besteht aus Bindegewebe wichtig für Elastizität Unterhaut: lockeres Bindegewebe, viele Fettzellen Als weitere Strukturen sind Haarfollikel, Talg- und Schweißdrüsen zu erkennen, die auch wichtig sind für die Schutzfunktion der Haut. Die Talgdrüsen übernehmen die Rückfettung der Hautoberfläche. Das Sekret der Schweißdrüsen bildet einen Säureschutzmantel auf der Haut Diese beiden Körperflüssigkeiten bilden den sog. Hydro-Lipid-Film auf der Haut. Er vermindert, dass zu viel Wasser durch die Haut ein- oder ausdringt und erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Säuren, Laugen und gegen Bakterien. Eine besondere Bedeutung hat die äußerste Hautschicht, die sog. Hornschicht. Sie verhindert das Eindringen von Schadstoffen und schützt den Körper gleichzeitig vor dem Austrocknen. Wie macht Sie das? Die Hornschicht ist wie eine Mauer aufgebaut und bildet so einen mechanischen Schutzwall . Gebildet wird diese Mauer von den Korneozyten. Diese Zellen enthalten außerdem noch Stoffe die die Fähigkeit besitzen Wasser zu binden, und zwar das Wasser das aus dem Körper heraus will (Verhindern so Verdunstung) Diese Stoffe nennt man natürliche Feuchthaltefaktoren, z.B. Harnstoff, Organische Säuren und Salze zählen dazu. Zusätzlich befinden sich zwischen den Zellen noch Lipide, das sind Fette, die abdichtend wirken und verhindern dass zu viel Wasser aus dem Körper entweicht. Diese Schutzmechanismen bewirken, dass bei intakter Haut immer nur so viel Wasser an der Hautoberfläche abgegeben wird, wie für den Organismus gut ist. Wird dieses System jedoch gestört, was durch sehr viele versch. Faktoren geschehen kann, sei es durch Verletzungen, Krankheiten ( z.B. Neurodermitis ),durch zu häufiges Reinigen mit Seifen oder Putzmitteln oder auch einfach durch das Altern der Haut kommt es zu unterschiedlich ausgeprägten Hautproblemen. So muß man beim Problem der trockenen Haut immer bedenken, dass der Haut meist nicht nur Fett fehlt, sondern dass oft auch ein Feuchtigkeitsmangel besteht, da durch die geschädigte Hornschicht mehr Wasser entweicht. Je nach Hautproblem muss man dann entscheiden, ob die Haut am besten mit einer Salbe, einer Creme oder einer Lotion gepflegt werden sollte, was mich wieder zum eigentlichen Thema zurückbringt. Unterschied von Salben Cremes und Lotionen Wenn wir uns nochmals an die Definition von Salben ( lat. = Unguenta ) im DAB erinnern, sind das halbfeste Zubereitungen, die auf die Haut aufgetragen werden. Sie sollen dort eine bestimmte Wirkung auf die Haut haben, z.B. ihr Fett oder Feuchtigkeit zuführen, Entzündungen oder Verletzungen heilen u.s.w. Oder sie enthalten Wirkstoffe die über die Haut resorbiert werden sollen, d.h. die Wirkstoffe gelangen durch die Haut hindurch in die Blutbahn des Körpers und entfalten dort ihre Wirkung. Weiterhin können sie eine erweichende oder schützende Wirkung auf die Haut ausüben. Wichtig ist auch ein homogenes Aussehen was zum Teil Probleme mit sich bringt, wenn es sich um Zubereitungen handelt, die aus mehreren Komponenten bestehen. Salben können aus einer einfachen oder zusammengesetzten Grundlage bestehen, in die man verschiedene Wirkstoffe einarbeiten kann. Die Grundlagen können aus natürlichen oder synthetischen Substanzen bestehen. Sie können hydrophile oder hydrophobe ( lipophile ) Eigenschaften haben Hydrophil bedeutet wasserliebend und hydrophob bzw. lipophil fettliebend. Und sie können geeignete Zusätze enthalten, wie z.B. Konservierungsmittel, Antioxidantien, Stabilisatoren, Emulgatoren und Verdickungsmittel. Diese grundlegenden Eigenschaften sind allen Zubereitungen gleich. Im DAB wird erst dann unterschieden in Salben, Cremes, Gele und Pasten. Salben: Salben im engeren Sinne bestehen aus einer einheitlichen Grundlage Man unterscheidet: Hydrophile Salben: ihre Grundlagen sind mit Wasser mischbar. ( meist ein Gemisch aus Macrogolen) sie können Wasser enthalten Hydrophobe Salben: sie können nur kleine Mengen Wasser aufnehmen Grundlagen z.B. Vaselin, Paraffine, Öle, Fette, Wachse, u.s.w. Wasseraufnehmende Salben: sie können mehr Wasser aufnehmen Grundlagen sind die der hydrophoben Salben in die zusätzlich ein sog. Emulgator eingearbeitet wird ( ein W/O Emulgator ) Emulgatoren: Hilfsstoffe, die einsetzt werden, um eine hydrophile und eine lipophile Phase miteinander mischen zu können. Normalerweise wenn man z. B. ein Öl in Wasser gibt bekommt man zwei getrennte Phasen. Das Öl schwimmt oben auf dem Wasser. Doch das ist natürlich nicht erwünscht, denn laut der Definition im DAB muß eine Salbe ein homogenes Aussehen haben. Deshalb benötigt man Emulgatoren. Emulgatoren sind in der Lage sich sowohl mit Fett als auch mit Wasser zu verbinden und erreichen so dass das Wasser gleichmäßig in der Salbengrundlage verteilt bleibt. Man unterscheidet versch. Typen von Emulgatoren : Wasser-in-Öl ( W/O ) Emulgatoren: Werden in Salben verwendet, wo die sog. Äußere Phase, d.h. die Grundlage der Salbe eine hydrophobe also ölige Grundlage ist in der dann kleinere Mengen einer wässrigen Phase verteilt werden sollen. Öl-in-Wasser ( O/W ) Emulgatoren: Hier ist die Äußere Phase d.h. die Grundlage der Zubereitung die wässrige Phase in der dann kleinere Mengen einer öligen Phase verteilt werden sollen. Nachteil bei der Anwendung von Emulgatoren ist dass manche Menschen allergische Reaktionen zeigen und es Probleme mit der Verträglichkeit gibt. Cremes: Cremes sind mehrphasige Zubereitungen, die aus einer lipophilen und einer wässrigen Phase bestehen. Sie enthalten Emulgatoren. Cremes bestehen meist zu ca. 30 – 50 % aus Wasser Man unterscheidet: Hydrophobe Cremes: die äußere Phase ist lipophil ( die Fettphase umschließt die feinverteilte wässrige Phase) sie enthalten Emulgatoren vom Wasser-in-Öl-Typ ( z.B. Wollfett ) sind mischbar mit Fett und hinterlassen einen Fettfilm auf der Haut Hydrophile Cremes: die äußere Phase ist wässrig ( umschließt die Fetttröpfchen ) sie enthalten Öl-in-Wasser-Emulgatoren ( z.B. Polysorbate ) evtl gemischt mit W/O-Emulgatoren sind mischbar mit Wasser und mit Wasser abwaschbar Creme zieht gut ein und hinterlässt keinen Fettglanz auf der Haut Ein Problem bei wasserhaltigen Zubereitungen ist, dass durch das Wasser in der Creme das Bakterienwachstum stark zunimmt. Man muß nahezu allen wasserhaltigen Cremes Konservierungsmittel zusetzen, um eine längere Haltbarkeit zu erreichen. Leider reagieren heutzutage immer mehr Menschen allergisch auf die Konservierungsmittel. Lotionen: Sind eigentlich eine Form der Cremes, jedoch mit einem höheren Anteil an Wasser. Sie bestehen meist zu ca. 70% aus Wasser und sind meist flüssiger als Cremes. Sie enthalten Spreitmittel, sodaß sie sich besser verteilen lassen Gele: Gele bestehen aus gelierten Flüssigkeiten, die mit Hilfe geeigneter Quellmittel hergestellt werden. Man unterscheidet: Hydrophobe Gele = Oleogele: Grundlagen sind flüssige Paraffine oder fette Öle Quellmittel sind z.B. Zinkseifen Hydrophile Gele = Hydrogele: Grundlagen sind Wasser, Glycerol oder Propylenglycol Quellmittel z.B. Stärke,Cellulosederivate ( Gelatine ) Pasten: Pasten bestehen aus einer Salbengrundlage, in welcher große Anteile eines oder mehrerer Pulver fein verteilt sind. Z.B. Zinkpaste. Je mehr Pulver eine Paste enthält, desto härter ist sie und desto stärker austrocknend wirkt sie. Eine weiche Paste mit mehr Fettanteil wirkt stärker fettend und abdeckend ( okkludierend ) In der normalen Hautpflege werden Pasten kaum verwendet. Sie werden z.B. bei Babys im Windelbereich als Hautschutz genutzt oder um die Ränder einer chronischen Wunde abzudecken. Durch die Paste wird die Haut abgedeckt und es kommt zu einem Wärmestau. Damit haben wir die wichtigsten Merkmale der verschiedenen Zubereitungen kennengelernt. Hier eine kurze Zusammenfassung und Bewertung: Salben : bestehen aus einer einheitlichen Grundlage, meistens eine fette Grundlage können kleine Mengen Wasser enthalten decken die Haut gut ab und weichen die obersten Hornschichten auf, ( daher sind sie gut geeignet Verkrustungen zu lösen ) unter der Fettschicht staut sich die Feuchtigkeit der Haut; es kommt zur Quellung ( wie in einem Plastikhandschuh, den man über die Hand zieht ) dadurch können Wirkstoffe die Haut besonders gut durchdringen werden angewendet bei chronischen Hauterkrankungen und sehr trockener Haut man kann sie als Schutzfilm vor versch. äußeren Einflüssen auftragen z.B.Schutz vor Spül- oder Putzmitteln oder auch als Kälteschutz im Winter lassen sich schlecht verteilen, schlecht abwaschen und hinterlassen einen Fettfilm Cremes: sind mehrphasige Zubereitungen, bestehend aus einer wässrigen und einer lipophilen Phase und Emulgator/en W/O-Cremes: sie enthalten mehr Fett und wirken rückfettend auf die Haut hinterlassen einen Fettglanz auf der Haut v.a. bei trockener Haut und chron. Hauterkrankungen. verwenden O/W-Cremes: wasserliebende Cremes, leicht mit Wasser abspülbar zieht gut ein und hinterlässt keinen Fettglanz spenden viel Feuchtigkeit Lotionen: mehrphasige Zubereitungen wie Cremes mit höherem Wasseranteil (ca.70%) spenden viel Feuchtigkeit besitzen sog. Spreitungsmittel, sodaß sie sich besser auf der Hautoberfläche verteilen lassen. Deshalb sollen sie nur für den Körper und nicht im Gesicht angewendet werden, da die Gefahr besteht dass sie ins Auge fließen und es zu Reizungen und Unverträglichkeiten kommt. Gele: bestehen aus Flüssigkeiten, die durch Zusätze geliert werden Hydrogele haben eine gute Kühlwirkung und werden deshalb z.B. bei Sonnenbrand und Insektenstichen angewendet nicht für langfristige Anwendung geeignet, da sie die Haut austrocknen
Die Präsentation zum Vortrag finden Sie hier .
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